Es kommt (leider) darauf an, WER was sagt

Seit einiger Zeit bemühe ich mich „Zeitungs-enthaltsam“ zu sein; also das genaue Gegenteil dessen zu machen was einst wesentlicher Teil meines einstigen Berufs war: nämlich jeden Tag mindestens fünf Tageszeitungen zu lesen und dazwischen auch noch diverse Wochenblätter und Magazine. Warum ich mich bemühe damit aufzuhören? Weil ich die für mich zunächst erstaunliche Entdeckung gemacht habe, dass es sich „ohne“ sehr viel besser lebt, dass ich die Welt rund um mich nicht besser machen kann wenn ich um all das ringsum genauestens Bescheid weiss – und weil ich mir den Ärger erspare meiner Manie der beständigen Blattkritik nachzugeben 🙂

Heute habe ich eine Ausnahme gemacht. Ich bin nach einem anstrengenden Vormittag, nach einer das Hirn überraschend beanspruchenden Cello-Stunde ins Cafe und habe dort den Standard gelesen, nach langer Zeit wieder einmal. Erfreut habe ich festgestellt, dass die primitiv-linke Linie, die mich früher so oft geärgert hat nicht mehr – oder vielleicht nur heute nicht – zu erkennen war. Und mit Verblüffung habe ich einen Fremdkommentar gefunden, der so ganz der anscheinend einhelligen Journalistenlinie in diesem Land widersprach.

Manfred Drenning, ein mir noch aus meiner aktiven Journalistenzeit bekannter ehemaliger Spitzenbanker, sagte dort der Euro-Manie adé; sagte, dass schon viele bei der Gründung auf die Fehlkonstruktion hingewiesen hatten; bestätigte, was heute jeder weiss: dass nämlich die fehlende Möglichkeit eines Wechselkursausgleichs dazu führen muss, dass die wirtschaftlich vernünftigen Länder die weniger vernünftigen finanzieren müssen. Er sagte in gewählteren Worten das Gleiche wie der Neo-Politiker Frank Stronach.

Aber wo ist der Unterschied? Hätte man Frank Stronach das im Standard auch sagen lassen? Ich glaube nicht. Dieser Mann mit beispielloser Karriere wird hierzulande von den Etablierten belächelt, wenn nicht gar wütend bekämpft. Man unterstellt ihm Europafeindlichkeit wenn er Lösungen den Euro betreffend anzudenken wagt. Man ordnet ihn dem Pöbel zu, den man in den Leserbriefspalten der Kronenzeitung zu finden vermeint; nennt populistisch, was nach Hausverstand klingt.

Und da ist er wieder mein Journalistenärger. Wie eine blinde Meute scheinen alle meine Ex-Kollegen aus den Wirtschafts- und Inlandsredaktionen den fürwahr oftmals dummen Einflüsterungen aus der Spin-Doktoren Etage der etablierten Parteien nachzuplappern. Wer was anderes sagt scheint für sie in die Kategorie Pfui-FPÖ, Pfui-BZÖ, Pfui-Hinterwäldler, Pfui-Skurillos zu fallen. Bis – ja, bis einer, der als Ex-Banker und seriös ausgewiesen ist, auch einmal was sagen darf, und zwar das Gleiche wie jene …

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