Heute hat mich der Standard erstaunt

standard-230116Heute habe ich im Standard Erstaunliches gelesen. Die Redaktion hatte in einem offenbar internen Blog diskutiert wie man mit der Herkunftsnennung von Straftätern im Licht des aktuellen Migrations- und Flüchtlingszustromes umgehen solle. Soll man das Herkunftsland nennen oder nicht? Eine durchaus kontroverse Diskussion.

Das Erstaunliche aber war: Diese interne Diskussion wurde auf einer ganzen Seite öffentlich gemacht. Dazu gehört Mut, und dazu gehört insbesondere der Aufruf eines älteren Kollegen sich auf die Gründungsphilosophie des Blattes zu erinnern: Alles zu schreiben was wert sei gedruckt zu werden.

Erstaunlich. Ich war bei einer der Gründungs-Redaktionssitzungen dieses Blattes dabei. Der Gründer der Zeitung, Oscar Bronner, war damals von einem längeren Aufenthalt in den USA, konkret aus dem Journalismus-Hotspot New York City, zurückgekehrt und hatte von dort die Vorstellung eines liberalen Blattes mitgebracht, das vor allem im Zeichen der Wirtschaftsberichterstattung stehen sollte. Wirtschaftsberichterstattung in der richtigen Erkenntnis, dass es dabei nicht bloss um die Bekanntgabe von Unternehmensergebnissen gehen kann, sondern darum die zentrale Bedeutung der Wirtschaft für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung eines Landes von möglichst vielen Seiten zu beleuchten. Das hat mich begeistert, aber aus privaten Gründen – ich trat damals einen längeren Aufenthalt in Japan an – konnte ich nicht dabei sein und das Nachsenden der Blätter auf dem Seeweg war so zeitverzögert, dass sich die Zusammenarbeit zerschlagen hat.

Geworden ist aus dem revolutionären Anfangskonzept etwas ganz anderes, in meiner Wahrnehmung – und nicht nur in meiner – ein politisches Kampfblatt einer bestimmten Richtung. Das hat mich betrübt und über viele Jahre habe ich den Standard nur noch sporadisch gelesen, weil die Lektüre einfach meinem Adrenalinspiegel nicht gut getan hat.

Was für ein Lichtblick daher heute diese Seite!

Vielleicht ist der Standard noch nicht verloren. Vielleicht kehrt er zur Gründungsidee zurück, ein in der Berichterstattung möglichst wertfreies Blatt zu sein, Kommentare in den Kommentaren zu belassen und in den Berichten nicht die politische Meinung des Verfassers durchscheinen zu lassen! Und auch für die Kommentare wünschte ich mir eine mehr faktenbasierte Sicht. Man wird ja noch hoffen dürfen …

Nachtrag: Nach ein bissl Reflexion ist mir aufgefallen, dass die Beiträge derjenigen Redakteure, deren Name ich kenne, eher in Richtung Berichterstattung was Fakt ist gehen. Das sind die älteren, klar. Die Beiträge der mit Unbekannten, ich nehme daher an, Jüngeren, gehen eher in Richtung ideologischer Restriktion. Das verheisst nichts gutes für die Zukunft. Beunruhigend.

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