Was ist Dein „Marathon“?

Am Ende eines erfolgreichen Weges entdeckst du mitunter: Es war ein Marathon. Entscheidungen, die das Leben verändern brauchen eine Krise, die ihr vorhergegangen ist. Warum sonst sollte man etwas ändern? Entscheiden bedeutet ja, etwas ausscheiden, etwas abtrennen. Ist das nicht so, dann ist es keine Entscheidung, sondern ein Lalala, aus dem was wird oder auch nicht.

Es muss aber gar nicht mit Pomp und Trara anfangen, Grosses kann auch schleichend beginnen.

Bei mir war das so als ich zum Marathonläufer wurde. Es war ein Seminar, in dem es um die Bedeutung von Bewegung ging. Die beiden Ärzte, die das vortrugen haben das recht drastisch getan. Sie zeigten ein Video mit einer Nahaufnahme von einer Operation an der Halshauptschlagader aus der ein dicker Brocken Fett herausgeholt wurde, Fett, das sie recht anschaulich so bezeichneten: „Das ist ihr Butterröllchen von heute Morgen“. Ich gestehe, beim anschliessenden Lauftraining war ich – obwohl ich eigentlich nur als journalistischer Beobachter angereist war – supermotiviert mitzumachen!

MERKE: Dir müssen die grauenhaften Folgen des Nicht-Tuns einer neuen, unbequemen Aktivität drastisch klar sein!

Wir zogen uns also die mitgebrachten noch recht unpassenden Pseudo-Laufkleider, irgendwelche Jogginghosen und Turnschuhe, an und starteten los. „Halt, halt!“, kam es da von den Doctores, „das geht ganz anders.“ Bei mir zum Beispiel, nachdem sie meine ersten hastigen Schritte und mein Keuchen beobachtet hatten, so: „Sie beginnen mit 8 Minuten“, hiess es kategorisch, „das sind 4 Minuten in die eine Richtung und 4 Minuten zurück“. Was? Dafür soll ich mich umziehen? „Ja, und jeden Tag dürfen Sie eine Minute drauflegen“.

MERKE: Die Aufgabe muss zunächst klein und bewältigbar sein, so dass der Erfolg zwar klein, aber doch da ist und man sich an ihm freuen kann!

Ja, und mein Losstürmen, das mich schnell ausser Atem kommen liess, erregte noch zusätzliches Missfallen: „Sie müssen in ganz kleinen, feinen Trippelschritten laufen, so dass Sie niemals ausser Atem kommen“. Gehört, getan, wurde daraus ein lächerliches Dahinzappeln bei dem mich so mancher Fussgänger mit Hund überholte. Aber: Nachdem ich mich einmal entschlossen hatte das genau so zu tun, wie man es mir anleitete, blieb ich dabei und machte es genau so.

MERKE: Bei einer neuen Aufgabe ist es wichtig sich an bewährte Anleitungen zu halten, auch wenn man sie für gänzlich blöd hält und glaubt es selbst besser zu wissen.

Die tägliche Steigerung um genau 1 Minute machte mir Spass – einfach weil sie mir eigentlich lächerlich erschien. Aber am Weg dorthin war es immerhin erfreulich, denn ich stellte fest, dass es täglich leichter ging und ich mich auf meine nächste Zusatz-Minute am nächsten Tag freute. Und da passierte es: Eines Tages, es war die 40te Minute, hatte ich plötzlich ein bis dahin nicht gekanntes Glückserlebnis, das berühmte Runner’s High! Ich vermeinte auf Wolken zu schweben. Ab da war natürlich kein Halten oder Aufgeben mehr möglich, das können Sie sich doch sicherlich vorstellen? Ich begann mich nach einem grösseren Ziel umzusehen, ja überhaupt erst so richtig eines anzupeilen!

MERKE: Aus den kleinen, feinen Erfolgserlebnissen muss irgendwann ein grosses kommen; dann weißt Du es funktioniert wirklich, dann bist Du bereit für ein grosses Ziel.

Was war mein GROSSES Ziel? Die Doktoren waren Marathonläufer, sogar Ultra-Marathonläufer, ja sogar x-fache Ironman’s. Eine damals für mich unvorstellbare Verrückheit. Aber mich juckte der Stachel. Wie geht das, so ein Marathon? Das sind ja mehr als 42 Kilometer. „Wenn Sie in der Woche, also in sieben Tagen, auf 42 Kilometer kommen, dann schaffen Sie die Strecke auch in einem durch“ war die Antwort. Also begann ich zu rechnen. Im gemütlichen Tempo des damals noch unter 50jährigen brauchte ich für den Kilometer 7 Minuten. Wenn ich also 49 Minuten lief, hatte ich 7 Kilometer hinter mir; und wenn ich das sieben Tage in der Woche machte sogar mehr als einen Marathon! Jippee! 50 bis 60 Minuten Laufen pro Tag, das machte mir mittlerweile grossen Spass und das bei jedem Wetter, bei jedem vollen Terminkalender. Was ist schon eine Stunde pro Tag? Die bringt jeder unter.

MERKE: Aus vielen kleinen Anstrengungen jeden Tag, aber das konsistent und diszipliniert, wird zusammen eine grosse! Dieses „Grosse“ vor Augen machen die „Kleinen“ so richtig Spass!

Die Teilnahme am grossen Ziel, am Marathon wurde also eine realistische Vorstellung. Zunächst ist das bloss ein Wort, mehr nicht. Es fährt nicht in die Knochen, da ist kein wirkliches Gefühl drin. Doch halt, stimmt nicht! EIN Riesen-Gefühl ist da, sobald man das überhaupt andenkt: das Gefühl das geht doch nie! Bei mir war das so: Ich druckte mir die Karte der Marathonstrecke in Wien aus, heftete sie an die Wand, sah mit die Strassenverläufe an – und dann kam die Erkenntnis, wenn ich zur Stosszeit mit dem Auto diese 42 Kilometer fahre brauche ich vermutlich genau so lange, nämlich rund 4 Stunden. Es war ja mittlerweile für mich leicht auszurechnen, denn ich hatte ein bisschen Tempo zugelegt, in einer Stunde ca 10 Kilometer gelaufen, also mache ich das so zirka 4x hintereinander, sind 4 Stunden brutto. Das „wissenschaftliche“ Ausrechnen, wie das manche andere tun, war nicht so sehr meine Sache, ich bin eher der „Über-den-Daumen-peilen“-Typ. Fazit: Das ist der helle Wahnsinn! Das schaffst du ja doch nie!

Was gegen diesen Zweifel hilft: das abermalige Zerlegen in kleine Schritte! Auf der Marathonkarte steht nämlich ungefähr alle 5 Kilometer eine Wasserausgabe Station eingezeichnet. Hej, 5 Kilometer, das schaffst du ja locker! Und dann noch einmal, und noch einmal und noch einmal …

MERKE: Wenn dich das „grosse“ Ziel verzweifeln lässt, mach’ viele kleine draus!

Noch einmal, noch einmal, noch einmal … Kann das ewig so weiter gehen? Das kann doch nicht sein, schlichen sich wiederum Zweifel ein. In dieser Situation, so wie in etlichen vorher, ist das Aufgeben schon wiederum gefährlich nahe.

Da kam mir ein „Vorbild“ zu Hilfe. Ok, Marathon-Finisher gibt’s zu Tausenden, das wird mich auch nicht aufbauen, die haben halt andere Voraussetzungen, waren schon immer sportlich und und und. Nein, ich hörte von Leuten, die 1000 Meilen am Stück laufen. Irre, dachte ich. Die machen 1000 Runden zu je 1 Meile auf einer Insel nahe Manhattan in New York, also noch eine Meile und noch eine Meile und so weiter. 1 Meile ist ja nicht viel, man muss sie nur 1000 mal wiederholen.

MERKE: Du musst aktiv nach Vorbildern suchen um am Ball zu bleiben.

Was sind das für Leute, die so etwas machen? Das Glück kam mir zu Hilfe, und eine Frau, die das gemacht hatte, hielt einen Vortrag in Wien. Ich erwartete eine ausserirdische Erscheinung mit ausserirdischen Erkenntnissen, doch, was soll ich sagen? Normaler als normal konnte diese Dame gar nicht sein. Was also ist das Geheimnis? Diese Gruppe veranstaltete einen 1-Meilen-Lauf im Wiener Prater, natürlich mit mehreren „1-Meilen“ hintereinander. Ich meldete mich an und erlebte gleich nach der ersten Meile die Überraschung: Da stand einer, der meinen Namen rief und mich anfeuerte, und das bei jeder Runde wieder! Der „kannte“ mich, er nannte meinen Namen und war nur für mich „ganz persönlich“ da. Läufer werden leicht sentimental ,und da kannst du, glaub’s mir, die Tränen kaum zurückhalten.

MERKE: Um durchzuhalten brauchst du Anerkennung auf den Etappen zwischendurch, das Gefühl jemand glaubt an dich, dass du es schaffen kannst!

Wie hat sich denn das „grosse“ Ziel, der Marathon, überhaupt in mir festgefressen? Dafür musst du Emotion erzeugen. Das kann zum Beispiel die Wut sein, es jemandem, der einen gedemütigt hat, beweisen zu wollen, das kann die vorweggenommene Überdrüber-Freude sein es geschafft zu haben. Beides geht, die Emotion muss nur stark genug sein, das papierene Zahlenziel von 42 Kilometern ist zu wenig. Bei mir war es beides. Im Beruf gab es einen neuen Geschäftsführer, ein „A…l… durch und durch“, und ich fühlte mich nicht mehr genug anerkannt. Und ich schaute mir Bilder von Marathonzieleinläufen an, wie die die Arme hochrissen, welchen erlösten, gelösten, manchmal nahezu ausserirdischen Gesichtsausdruck mache hatten – und projizierte mich da hinein, sah mich auch so, spürte wie mich die Emotionen überkamen. Beinahe hätte ich gar nicht mehr wirklich laufen müssen, so stark erlebte ich diesen Gefühlsüberschwang schon im voraus.

MERKE: Du muss das Erreichen des Zieles schon im vorhinein wirklich „erleben“. Sei es im Sport der Zieleinlauf, sei es im Business vielleicht deine Ehrung auf der Bühne!

Schlussendlich lief ich meinen ersten Marathon, in etwas mehr als in den projizierten vier Stunden, aber schliesslich hat der Marathon auch noch ganz erstaunlich „lange“ 194 Meter mehr als die 42 Kilometer. Wie es mir danach ging – das ist eine andere Geschichte, aber ich hatte es geschafft, ich war in neun Monaten von Couch-Potatoe zum Marathon-Finisher gelangt.

Was braucht es um ein Ziel nicht zu verfehlen?

  1. Starke Emotion positiv und/oder negativ
  2. Kleine Schritte, die sich zu grossen summieren
  3. Konsistenz und Disziplin
  4. Freude, Anerkennung und Aufmunterung am Weg dorthin

Was ist mein nächster „Marathon“? Was ist Dein „Marathon“?

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