Keine Angst! Einsichten eines Blinden.

Ich sitze im Railjet zwischen Wien und Graz und lese soeben einen äusserst spannenden Artikel. Hier erklärt einer seinen herausragenden Erfolg, den er hat, obwohl die Voraussetzungen dafür – möchte man meinen – extrem schlechte waren. Das sind seine Erfolgspunkte:

Rede dich nicht aus!

Andreas Holzer, so sein Name, ist finanziell mehr als abgesichert, hochbezahlter Redner, Buchautor, Profibergsteiger – und von Geburt an blind: „Mir hat das Leben Rahmenbedingungen gegeben, mit denen ich brausen gehen könnte“ sagt er klipp und klar: „Und Sie sehen, dass ich schuldenfrei ein Haus gebaut habe und in Immobilien investiere. … und ich habe noch nie einen Berg gesehen und bin Profibergsteiger.“ Egal also wie deine Ausgangsbasis ist, du kannst was machen!

Mein eigener Beruf hat damit zu tun, Menschen bestimmte Produkte nahe zu bringen und auch Menschen dazu zu bewegen, das gleiche zu machen und ihnen dabei zu helfen. Wie oft habe ich schon gehört „Ich kenne nicht die richtigen Leute“ oder „Ich würde ja gerne, aber ich habe zu wenig Zeit“! Diese Menschen meinen ihre Rahmenbedingungen erlaubten es ihnen nicht, etwas zu erreichen, was sie an sich gerne möchten und geben sich einfach mit dem Status Quo zufrieden.

Seit Jugend an war ich ein Sportmuffel. Wenn die anderen Fussball gespielt haben, habe ich mich gedrückt. Ab Mitte 30 hatte ich folglich erhöhten Blutdruck und es wurden mir Tabletten verschrieben. Auf meine Frage wie lange ich die denn nehmen müsse erhielt ich die Antwort: „Ihr Leben lang.“ Das war der erste Schock, der eine allmähliche Umkehr einleitete. Als ich etliche Jahre später bei einem Seminar zu hören bekam, dass auch ich einen Marathon schaffen könne, war mein Beschluss gefasst. Ich tat was mir angeraten wurde und neun Monate später lief ich meinen ersten Marathon, dem fünf weitere folgten. Meine „Rahmenbedingung“ – unsportlicher Coach-Potatoe – war durchbrochen!

Höre nicht auf schlechte Ratschläge!

Wir Menschen neigen dazu, für etwas, das uns unbequem ist, rationale Ausreden zu suchen. Ein beliebtes Ausweichmanöver ist es, andere um Rat zu fragen – natürlich nur solche, von denen wir von vornherein ahnen, was sie uns raten werden, nämlich in der ausgetretenen Bahn zu bleiben.

Andreas Holzer, der blinde Junge, war, als die Berufsentscheidung anstand, wie so viele in seinem Alter bei der Berufsberatung: „Der Berater hat mir nur drei passende Berufe in Aussicht gestellt: Korbflechter, Bürstenbinder, Telefonist. … Ich habe mir nur gedacht welchen Knall hat denn der?“

Wieso konnte Holzer das denken? Schon als 14jähriger hat er einfach nicht akzeptiert, dass seine scheinbar „objektiven“ Rahmenbedingungen so eingeschränkt sein sollten! Er wurde Heilmasseur und hatte sich schon mit 40 ein schuldenfreies Häuschen geschaffen. Das ging nur, ist anzunehmen, weil er gut, oder besser als andere in seinem Beruf war. „Du musst ein Alleinstellungsmerkmal haben“, ist einer seiner weiteren Ratschläge. Das geht aber nicht mit Bequemlichkeit: Unsere Gesellschaft heute sei „ein verwöhnter Fratz“, sie habe „keine Schneid.“ Holzer hatte sie offenbar. Er hat nebenbei Tanzmusik gespielt, sich nicht gescheut, ein zweites Standbein aufzubauen. Und erst dann kam der eigentliche Durchbruch.

Kalkuliere dein Risiko!

Holzer wurde in eine Fernsehsendung zum Thema Barrierefreiheit eingeladen. Danach kam ein Anruf des CEO eines der grössten Unternehmen Österreichs vor 800 Leuten zu sprechen. Zuerst dachte er, er sollte als Masseur engagiert werden. Nein, nein, hiess es: Er solle reden! Und Holzer sagte nicht „Das kann ich nicht“ wie so manche andere es getan hätten, sondern er sagte zu sich selbst: „Wenn die meinen, ich kann das, dann werde ich es auch können.“ Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass er Standing Ovations erhielt und seine Karriere als Redner damit schlagartig begann.

Sei wachsam!

Was war geschehen? Da hat einer eine Herausforderung angenommen, sich nicht gedrückt, keine Ausreden gesucht. Das Glück ist kein Vogerl, wie es im Sprichwort heisst. Glück ist eine Entscheidung.

Du brauchst jemanden, der an dich glaubt, der es dir zutraut. Also sei sorgsam, mit wem du dich umgibst! Sei wachsam um es nicht zu übersehen, nicht zu überhören, dass jemand an dich glaubt! Oft ist das nicht so laut, oftmals ist es nur ein Blick, der sagt: Ich trau‘ Dir das zu, tu‘ es. Und glaub‘ denen, die an dich glauben!

Quelle: Die Presse, 2. Mai 2016, Mein Geld, Seite 12: „Die Gesellschaft ist ein verwöhnter Fratz“

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