Warum ich selbständig bin – Nie wieder angestellt!

Nie wieder!

Arbeitgeberpyramide schmalNie wieder möchte ich dass jemand über mich urteilt, dass jemand in Frage stellt ob ich mein Geld wert bin – ausser meinen Kunden. Nie wieder!

Nie wieder möchte ich von jemandem zugeteilt bekommen wann ich den Urlaub fahre – ausser von meiner Familie. Nie wieder!

Nie wieder möchte ich den erniedrigenden Gang für eine Gehaltserhöhung antreten müssen, ausser meine Kunden sind so zufrieden, dass sie mehr von mir wollen und dafür zu zahlen bereit sind. Nie wieder!

Nie wieder möchte ich das Gerangel erleben, die Intrigen, das Runterziehen in den „normalen“ hierarchischen Betrieben. Nie wieder möchte ich selbst am Sessel von einem „Oberen“ sägen müssen, nie wieder möchte ich mich „einschleimen“ und mich verbiegen müssen. Nie wieder möchte ich an vorgeschriebene Arbeitszeiten gebunden sein, egal ob früh, oder abends, oder dazwischen. Nie wieder möchte ich gezwungen sein tagtäglich ausserhalb meines Heims zu arbeiten und meine Partnerin nur abends, todmüde, zu treffen und nie wieder nicht mehr als das Notwendigste schnell organisieren müssen bevor wie beide ins Bett fallen um am nächsten Tag für das gleiche wiederum fit zu sein. Nie wieder möchte ich meine Kinder ohne mich aufwachsen sehen. Nie wieder!

Neulich ist mir diese Grafik in die Hände gefallen, die sehr gut illustriert worum es in unserer „Arbeitswelt“ wirklich geht. Da werden auf einem Präsentierteller Menschen gezeigt auf deren Schultern wiederum andere Menschen stehen, und so weiter, bis schlussendlich ein einziger ganz oben steht, der sein Einkommen seine Reputation, seinen Einfluss, seine Macht nur hat, weil er auf den Schultern so vieler anderer steht. Das ist in meinen Augen menschenunwürdig. Ich möchte das nicht.

So sind wir nicht geboren, in dieses System werden wir erst hineinerzogen und finden es ganz normal, gleichsam gottgegeben. Nein, so ist es nicht! Meine Grosseltern väterlicherseits waren Handwerker, Schuster. Wenn jemand ihre Schuhe nicht kaufte hatten sie kein Einkommen, wenn viele kauften, hatten sie mehr Geld – Geld mit dem sie ihre insgesamt 13 Kinder versorgen konnten. Ich vermute – soweit ich das den Bilder entnehmen kann, sie selbst habe ich nie kennen gelernt – dass es ihnen eher schlecht als recht ergangen ist, ABER: Sie waren ihre eigenen Herren, sie waren niemandes Knecht.

Als mein Vater erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen war, gab es das Geschäft nicht mehr, und er konnte es auch nicht wiederbeleben, obwohl er für die Übernahme vorgesehen war. Er war gezwungen eine Anstellung anzunehmen um seine junge Familie zu ernähren. Aus meiner Erinnerung meine ich, dass er das nicht liebte, sondern als das empfand was es war, nämlich eine erniedrigende Knechtschaft. Um 7 Uhr früh Arbeitsbeginn, um 17 Uhr Feierabend, tagein, tagaus, sommers wie winters bei jedem Wetter.

Froh darüber, diese Anstellung als Schuster bei der Wiener Strassenbahn überhaupt erhalten zu haben, musste er etliche Erniedrigungen in Kauf nehmen. So musste er etwa ein bestimmte Parteimitgliedschaft haben, und es hat sich mir tief eingeprägt wie erleichtert und glücklich er war als er am Tag seiner Pensionierung dem Ortskassier der Partei das Parteibuch zurückgab – ein kleiner Sieg nach Jahrzehnten der inneren Verleugnung.

Vor dem Krieg war er in der christlichen Gewerkschaftsbewegung aktiv gewesen, die Partei, die damals die „Gegner“ waren, musste er jetzt als die seine akzeptieren sonst hätte er diese Anstellung nicht bekommen. Einen Aufstieg in der Unternehmenshierarchie konnte er nie erlangen, denn er wurde als „Kerzerlschlucker“ (= bekennender Katholik) einfach nicht zu den dazu nötigen Kursen zugelassen. Sein einziger kleiner Protest war sein sonntäglicher Kirchenbesuch, und dass wir am 1. Mai als einzige in der kleinen Gemeindesiedlungsgasse eine rot-weiss-rote Fahne aussteckte anstatt der rundum prangenden roten mit den drei Pfeilen drin.

Die Erlebniswelt meines Vaters war natürlich extrem, heutzutage ist alles liberaler, scheinbar weniger strikt und offensichtlich. Aber dennoch ist es da. In privaten Unternehmen natürlich nicht parteipolitisch gefärbt, heutzutage gibt es anderes. Ich selbst wäre in meiner Angestelltenzeit gezwungen gewesen für den letztendlichen Aufstieg an die höchste Position, die Wallfahrt nach Mariazell mitzumachen, die der Aufsichtsratsvorsitzende jedes Jahr veranstaltete. Was für eine Umdeutung des Begriffs „Gnadenort“!

Verbiegen, Verleugnen, sich bücken, das war nicht mein’s und ich wählte die Option der Selbständigkeit. Da gab es wechselnde Stationen, viel Erfolg, wenig Erfolg, aber es war ICH und niemand sonst, der Erfolg oder Misserfolg hatte und zu verantworten hatte und ich bereue es nicht. Ich bin nach wie vor selbständig und ich bin stolz darauf. Nie wieder möchte ich mich verbiegen, verleugnen, bücken müssen. Nie wieder!

***

Wenn Ihnen meine Blogbeiträge gefallen abonnieren Sie sie bitte und empfehlen Sie sie weiter: FOLLOW Button rechts unten

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s