„To Dream the Impossible Dream“ – Roncalli’s Traum, ich war dabei!

 

Der Zirkus Roncalli hat 40jähriges Jubiläum, tourt derzeit durch Deutschland und gastiert demnächst wieder in Wien. Eh klar, würde man meinen, er kommt ja auch aus Wien: und ich war dabei!

Redaktion „profil“, in den Anfangstagen. Bernhard Paul machte die Grafik, ich war junger Redakteur. Schon damals hatte er diese Brille im Dalai Lama Stil, und schon damals wirkte sie, glaube ich, antiquiert. Aber in Wahrheit war er am Puls der Zeit und bereitete den begabtesten Karikaturisten ihre Karriere, auch dem kürzlich verstorbenen Manfred Deix, indem er ihren Zeichnungen Platz im Heft verschaffte. Es war die Zeit als man noch das Layout auf grossen Printern ausdruckte, schnipselte und zusammenklebte, eine auch handwerkliche Aufgabe für den Art-Director.

Was aber nicht jeder wusste: Bernhard Paul hatte einen Traum, und die, die es wussten, lächelten in sich hinein. Er sammelte alte Zirkuswaggons, die er in irgendeinem Garten abstellte und eigenhändig bemalte und zwar in dem Stil, der heute noch Roncalli charakterisiert.

Irgendwann war es so weit, und es gelang ihm die erste Zirkusvorstellung in Wien auf die Beine zu stellen. Der ihm zugewiesene Platz war nicht so wie heute, wo Paul hofiert wird und ihm sogar ein Professorentitel umgehängt wurde,  im Zentrum, auf dem Rathausplatz, sondern in der eher öden Gegend hinter dem damaligen Südbahnhof. Das Zelt war klein, aber es war ein richtiges Zirkuszelt – mit Planen, Seilen, Stangen, aufsteigenden Bankreihen, einem Platz für die Musiker über dem Eingang und in der Mitte das Herz, die Manege, mit ihrem wunderbaren Geruch von Erde und feuchtelnden Sägespänen.

Das alles auf die Reihe zu bringen und zusammenzuhalten erwies sich als Jahrhundertjob, und Paul suchte Unterstützung für das „Nicht-Zirkussige“, für Kassa und sonstige Papierln. Er suchte  einen, der mehr mit dem „Weltlichen“ vertraut war und nichts kostete. Derjenige war ich.

Für mich war die Manegenluft wunderbar und aufregend. Da übten Clowns und Trapezkünstler und die Dompteure gingen liebevoll mit ihren Tieren um, und das Futter war knapp. Sie kamen aus aller Herren Länder, aus Marokko, aus Italien, aus Frankreich. Irgendwie verständigten sie sich untereinander, und es war ihnen die Leidenschaft für ihren Beruf ins Gesicht geschrieben. Und da waren die Musiker. Sie waren aus Polen, denn Paul fand, dass nur sie die originale Zirkusmusik original spielen konnten.

Und da waren auch die Behörden.

Deren Missfallen erregten zunächst einmal die Treppen in das Zelt. Die Höhe der Stufen, die von einem Zirkus aus Deutschland gekommen und dort offenbar den Behörden genügt hatten, waren ihnen einen Zentimeter zu hoch oder zu niedrig, ich weiss es nicht mehr. Wie das Problem gelöst wurde weiss ich auch nicht mehr. Das grössere Problem waren aber die Inkassanten der Vergnügungssteuer. Sie hatten sich im Kassawagen hinter den Kassieren postiert, und jedesmal wenn ein Kunde einen Schein aus der Brieftasche zog, haben sie ihn sich gegriffen.

Bernhard Pauls glühende Besessenheit von seinem Traum gelang es zwar die Künstler auf ihre Gage warten zu lassen, an der bürokratischen Wand aber schlug er sich die Birne ein. Und auch an den polnischen Musikern!

Jeden Abend vor der Vorstellung packten die fünf oder sechs, wenn noch kein Geld in ihren Händen war, ihre Pappköfferchen – solche wie man sie aus alten Schwarzweiss-Bildern kennt – und machten sich auf den Weg zum gegenüberliegenden Bahnhof. Aber Abend für Abend schaffte es Bernhard irgendwie doch noch ein paar Scheine aufzutreiben, ihnen nachzulaufen und sie zum Bleiben zu überreden. Zur Vorstellung erklang jedenfalls Tag für Tag die originale original Zirkusmusik!

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Aus Roncalli ist bekanntlich eine beispiellose Erfolgsstory geworden (http://www.roncalli.de/roncalli/chronik), die damals niemand – ausser einem – für möglich gehalten hat.

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Was ist Dein „unmöglicher“ Traum?

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