Die New York Times bekennt sich schuldig

Heute morgen beim Frühstück ist mir ein Zitat in die Hand gefallen, das mich ordentlich aufgeweckt hat. Die New York Times, nach allem was ich so nebenbei mitbekommen habe, engagiert in der Pro-Hillary-Clinton-Anti-Donald-Trump Kampagne, ist in sich gegangen. Sie bereut den Kampagnenjournalismus, den sie nach eigener Erkenntnis offenbar betrieben hat und der mit dem Wahlsieg Trumps so spektakulär in die Hose gegangen ist.

Das ist für mich so revolutionär und Adrenalin treibend, weil mir, als im puristischen Journalismus Aufgewachsenen, eine derartige Selbsterkenntnis noch nie untergekommen ist. Die NYT schreibt:

„Wir wollen uns wieder der fundamentalen Mission des Times-Journalismus widmen. Damit ist gemeint, dass über Amerika und die Welt ehrlich, ohne Furcht oder Begünstigung berichtet wird, immer im Bemühen, alle politischen Perspektiven und Lebenserfahrungen in den Geschichten zu bringen, die wir Ihnen bieten.“ (Hervorhebungen von mir).

Das ist umwerfend! Lassen Sie sich diese Zeilen ruhig auf der Zunge zergehen! Das Flagschiff des liberalen Journalismus, das Vorbild aller idealistischen Zeitungsmacher der Welt, gesteht ein, alles das nicht beachtet zu haben, wofür sie eigentlich stehen wollte: für eine möglichst umfassende, eine möglichst objektive Sicht, eine möglichst ausgewogene Tatsachenauswahl, eine den Leser nicht unter die Meinungsknute stellende Berichterstattung. Ich habe das Originalzitat nicht gelesen, ich habe die Übersetzung aus der „Presse“ und ich vertraue darauf, dass sie stimmt.

Wo bitte, im Licht des österreichischen Bundespräsidentenwahlkampfs, ist eine ähnlich hehre Haltung festzustellen? Kaum wo – und ich meine damit nicht die stets reflexmässig beschuldigten Kleinformate. Es sind in meiner Wahrnehmung, bis auf 1 bis 2 Ausnahmen, die sich bemühen, Großformate, weiße und rosarote, die zu reinen Kampagnenblättern mutiert sind.

Das kotzt mich an. Vielleicht auch Sie, wenn Sie darauf achten. Ich wünschte mir eine Selbsterkenntnis und Einkehr wie jene der NYT.

Es muß ja nicht unbedingt erst nach „verlorener“ Wahl sein.

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