Das Cholesterin Drama – ein Schauspiel in 5 Akten und einem Prolog samt Epilog

Prolog

Meine Damen und Herren Zuschauer und Betroffene!

Machen Sie sich bereit ein Schauspiel zu erleben, in dem es um viel Geld, um Schwindel, Betrug und Bestechung geht – und nicht zuletzt um Ihre Gesundheit. Der Stoff für dieses Drama stammt von Harald Walach, einem Professor für Gesundheitswissenschaften, ein dissidenter Fachmann und dementsprechend – das soll nicht unerwähnt bleiben – nicht arm an Feinden. Nichtsdestotrotz scheinen mir seine Recherchen äußerst bemerkenswert und liefern die Grundlage für dieses Schelmenstück. An dieser Stelle danke ich ihm dafür recht herzlich.*)

Vorhang auf!

1. Akt: Die Zuckerindustrie prescht vor

Anfang der 60er Jahre erschienen Studien, die einen engen Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Herzkrankheit aufzeigten. Das war der Zuckerindustrie gar nicht recht, sie schickte – wie im Schach – ihre Bauern vor: Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Sugar Research Foundation brachten die – für die Zuckerindustrie nicht uninteressante – Idee auf, dass man 20% der Fettkalorien durch Zucker ersetzen sollte um das Risiko einer Herz-Kreislaufkrankheit zu senken. Da es zu diesem Zeitpunkt schon eine große Menge an wissenschaftlichen Studien gab, die dem Zucker Schuld gaben, konnte man nur mit gegenteiligen wissenschaftlichen Studien kontern.

Es wurden also – übrigens um relativ wenig Geld, das sich in Folge vieltausendfach rentieren sollte – Forschungsaufträge vergeben, die die Studien beider Seiten „objektiv“ beleuchten sollten. „Objektiv“ war dabei aber gar nichts, wie ein brandneuer, und in einem der angesehensten Wissenschaftsjournale publizierter Report herausfand: Methodische Mängel in den Anti-Zuckerstudien wurden ganz einfach übergewichtet, die methodischen Mängel in den Anti-Fettstudien hingegen herunterargumentiert.

Alles klar also? „Zucker“ gewann über den Umweg „Anti-Fett“ diese erste Schlacht und bestimmte den weltweiten medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Mainstream der weiteren 50 Jahre. Die USA führten Low-Fat-Kampagnen und –produkte ein, und andere Länder taten es ihnen gleich.**) Die Letztadressaten, auf die es schlußendlich ankommt, uns Konsumenten und Patienten bekamen ab da vom Onkel Doktor den „Drohfinger“ vor die Nase gehalten wenn ihr Cholesterin nicht der Norm entsprach – die im übrigen mehrmals revidiert wurde nach der simplen Regel: Normwert runter = Umsatz rauf.

2. Akt: Die Skeptiker finden ihr Sprachrohr

Natürlich gab es auch Dissidenten, die sich dem Mainstream widersetzten, aber sie fanden wenig Widerhall. Als Sprachrohr der kritischen Stimmen, vor allem in deutschen Landen, tritt auf 2014 – bitte Vorhang! –: die Journalistin Nina Teichholz mit ihrem Buch „The Big Fat Surprise“. Auf das Thema aufmerksam geworden ist sie als Restaurant- und Gourmetkritikerin, die sich auch in New Yorker Fresstempeln herumtrieb und an sich selbst die Wirkungen unterschiedlicher Kost beobachtete. Neugierig geworden recherchierte sie daraufhin drei Jahre lang den Fett- Zucker-Krimi.

Sie schaute sich zB die berühmte Studie näher an, deren Ergebnis uns allen geläufig ist, daß nämlich die mediterrane Kost die gesündeste sei. Für die Studie wesentlich sind Befragungen über die Ernährungsgewohnheiten. Untersucht wurden 21 Länder, aber nur 7 wurden ausgewählt. Diejenigen, die nicht ins Schema passten wurden einfach weggelassen, schwuppdiwupp. Der Clou aber ist: Die Griechen, die Helden der mediterranen Kost, waren ausgerechnet zur Zeit des orthodoxen Fastens befragt worden, zu einer Zeit zu der sie ganz anders als sonst essen! Uuups!

Außerdem wurden unterschiedliche Lebensstile nicht berücksichtigt. Es macht ja ganz sicher einen Unterschied ob jemand den ganzen Tag in der Fabrik, in einem Einzelhandelsgeschäft oder im Büro mit Kunstlicht ist, oder vor dem Kaphenion in der Sonne sitzt und Tavla spielt.

3. Akt: Scharfe Attacke aus dem Fernen Osten

2015: Zwei Wissenschaftler aus Japan veröffentlichen eine groß angelegte Studie über 10 Jahre mit 91.000 Teilnehmern (30.802 Männer und 60.417 Frauen), die sogenannte Ibaraki-Studie. Die Essenz ihrer Aussage: Cholesterin, gebunden an Lipoproteine (in der Art wie es im Blut normalerweise vorkommt und gemessen wird), schützt vor vorzeitigem Tod; die Gesamtmortalität der Bevölkerung sinkt sogarje höher der Cholesterinspiegel ist. Na Bumm!

Natürlich stellt man sich angesichts der jahrzehntelangen gegenteiligen Empfehlungen die Frage: Warum ist das so? Low Density-Lipoproteine (LDL), das sind die „großen“,  haben nicht nur eine Transportfunktion für Cholesterin, mit dem dieses zu den Zellen transportiert wird, sondern auch eine immunologische Funktion. Sie heften sich an die Außenwände von Bakterien und Viren und unterstützen so die Abwehr. Daher wirkt hohes Cholesterin gerade bei alten Menschen schützend. Aber dennoch, so könnte man einwenden, sterben Menschen mit hohem Cholesterin oftmals frühzeitig. Die Vermutung der Autoren der Studie ist, dass Menschen mit hohem Cholesterin meist auch andere Risikofaktoren in sich tragen; das Cholesterin sei jedenfalls nicht schuld, sondern bloß ein Hinweis für andere Risikofaktoren.

Wenn das so ist, warum haben dann nicht auch andere Wissenschaftler diese Erkenntis? Die Antwort ist, dass die Verfechter der Fett-These  – laut Aussage der Verfasser der Ibaraki-Studie – ausnahmslos Interessenskonflikte haben. Sie erhalten Forschungsgelder von der Industrie, sie bauen ihre Karrieren auf Publikationen im engen, gewählten Fachgebiet auf und es gibt auch noch den sozialpsychologischen Effekt: die Meinung der Gruppe in der wir uns befinden prägt auch unsere Wahrnehmung, so auch diejenigen in einem engen Fachgebiet.

4. Akt: Die Schachfiguren werden neu aufgestellt

Kehren wir kurz zum Bild des Schachbrettspiels zurück. In der hintersten Reihe stehen König und Königin, vergleichbar mit der Industrie und ihren Aktionären. Links und rechts von ihnen die schnellen Einsatztruppen, Läufer und Springer – die Studienautoren und die dazugehörigen Werbeagenturen. Ganz außen, scheinbar fest verwurzelt, stehen die Ecktürme; das sind in unserem Beispiel die „Institute“ und „Fachvereinigungen“, die sich meist mehr schlecht als recht als „unabhängig“ tarnen, das Internet ist voll von ihnen.

Die vorderste Reihe bilden die Bodentruppen, die Bauern. Das sind in unserem Spiel diejenigen, die die Botschaft unters Volk bringen – niedergelassene Ärzte und, gleichsam als Hüter des Grals, die Professoren an den Universitäten. Zwei Personengruppen, denen die „richtige“ Botschaft auf den von König und Königin veranstalteten Kongressen vermittelt wird, und das in meist angenehmer Umgebung.

Zwölf bis 19 Milliarden Dollar Umsatz an Lipidsenkern werden in dieser Formierung Jahr für Jahr gemacht. Das ist nicht wenig und das läßt sich niemand so leicht wegnehmen. Doch immer wieder kommt es zu Sticheleien, zu Studien, die die Sinnhaftigkeit der Statine, das sind die Fett-Senker, in Frage stellen.

Also muß eine besondere, scheinbar ultimative Kraftanstrengung her.

Im Jahr 2012 ist es so weit. Die Autoren der bisherigen Fett-Senker Studien schließen sich zusammen und führen die Daten von 27 großen Studien zusammen. Beeindruckende 174.000 Patienten werden damit erfasst. Das Ergebnis: Das Risiko eines „koronaren Ereignisses“ werde durch die Lipidsenker um beachtliche 20% bis 30% gesenkt.

Alles klar also? Mitnichten. Die schon erwähnte kritische Ibaraki Studie liefert die Antwort. Gliedert man die erwähnten Studien nach Jahren, zeigt sich nämlich ein gänzlich anderes Bild. 2004 waren aufgrund eines riesigen Pharma–Skandals neue Regelungen in Kraft getreten – und die Studien vor 2004 zeigen ein ganz anderes Bild als die Studien nach 2004, nämlich keineswegs mehr die Vorteilhaftigkeit der Cholesterin-Senker. Na, da schau‘ her! Jetzt scheint alles klar, oder?

5. Akt: War das der finale Showdown? Mitnichten.

Wir haben gesehen, dass die Großoffensive der Lipidsenker-Fraktion, von der die Zuckerindustrie so fein profitiert, nicht die letzte Antwort ist. Aber noch ist die Schlacht gegen milliardenschwere Interessensgruppen noch nicht endgütlig entschieden. Die Lipdid-Thesen-Zweifler stehen daher bereit noch Munition nachzuliefern.

Was nämlich macht das verteufelte Cholesterin eigentlich? Eine interessante Frage.

Das meiste Cholesterin kommt nicht aus dem Essen, sondern der Körper stellt es selbst her.

Aha? Das wird doch wohl einen Sinn haben, oder? Hat es natürlich: Es wird für die Produktion der Hormone gebraucht, die uns aktiv, auch sexuell aktiv, werden lassen. Der Umbau des Cholesterins in die lebenswichtigen Hormone erfolgt in den Mitochondrien, den Kraftwerken in den Zellen, und dorthin gelangen die mit dem Essen aufgenommenen Cholesterine fast gar nicht.  Nur etwa 5% des Cholesterinhaushaltes werden über die Nahrung reguliert.

Die Cholesterinsenker machen natürlich was man von ihnen erwartet: sie senken den Cholesterinspiegel. Aber was tun sie noch? Zum Beispiel blockieren sie indirekt das wichtige Coenzym Q10, und das wiederum führt zu weniger „Brennstoff“, zu weniger ATP für den Antrieb der Muskeln, von dem wir im Normfall kaum glaubliche 30 – 40 kg pro Tag produzieren. Statin-Patienten klagen daher oftmals über unerklärliche Muskelschmerzen.

Aber auch andere Enzyme werden blockiert. Etwa solche, die für die körpereigenen sogenannten Radikalfänger zuständig sind, die für die Abwehr zellschädigender freier Radikale zuständig sind – eine körpereigene Gesundheitspolizei sozusagen. Das könnte der Grund sein, dass die Mortalität gemäß neuerer Untersuchungen (nach 2004) in der Statin-Gruppe nicht gesunken ist.

Oder sie behindern das Vitamin K2, das gegen Verklumpungen der Blutkörperchen wirkt. Die Folge kann verstärkte Verkalkung sein, also genau das Gegenteil dessen wovor die Cholesterin-Senkung u.a. bewahren soll. Die Langzeit-Nebenwirkung der Statine könnte also durchaus genau gegenteilig als beabsichtigt sein.

Epilog

Meine Damen und Herren Zuschauer und Betroffene!

Ist das Drama damit zu Ende?  Mitnichten, denn es gibt auch weiterhin noch genügend Stoff für verschiedene Meinungen und Auseinandersetzungen.  Denn erhöhtes Cholesterin ist vielleicht nur ein Marker unter vielen, genauso wie graue Haare, dicker Bauch, hoher Blutdruck, Typ-A-Verhalten, hektischer Lebensstil, Entzündung und vieles mehr. Also ein Hinweis, keine Ursache.

Ausserdem hat sich die Zusammensetzung unserer Nahrung seit Beginn des 19. Jahrhunderts entscheidend verändert. Waren bis dahin die Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren in etwa gleich vertreten haben wir heute ein ungünstiges Verhältnis von 1:15 bis 1:20 – und parallel dazu stiegen die koronaren Herzkrankheiten an. Erhöhtes Cholesterin könnte also einfach ein Hinweis unter mehreren auf ein Ungleichgewicht an Fettanteilen in der Nahrung sein.

Und dazu kommt noch der Stress der modernen Lebensweise, denn ein Zusammenhang scheint jedenfalls gesichert: mehr Stress = mehr Cholesterin im Blut. Und dieses kann man – anstatt den Stress zu senken – wunderbar mit Cholesterin-Senkern senken. Ironischerweise tut man damit ja auch etwas gegen den Stress: Denn die Cholesterin-Senker stören, wie wir gesehen haben, so massiv den Hormonhaushalt, dass man unter Umständen einfach keinen Bock mehr auf Hektik und Schaffen und Tun hat.

Meine Damen und Herren Zuschauer und Betroffene!

Lasst uns das schaurige Spiel an dieser Stelle beenden. Doch seid getrost, es wird Fortsetzungen geben – es geht schließlich um nicht weniger als milliardenschwere Königreiche!

Vorhang zu!

*

*

*

*) http://bit.ly/Broeckelnde_Mythen. Hier finden sich auch die Links zu den Originalstudien, die Walach herangezogen hat, die ich teilweise selbst eingesehen habe. Selbstverständlich sind meine Ausführungen in keiner Weise als medizinische Ratschläge zu verstehen.

**) Wie beabsichtigt wurden die Fettkalorien in der industrialisierten Welt tatsächlich in beträchtlichem Ausmaß durch Zuckerkalorien ersetzt, insbesondere durch den nahezu teuflisch wirkenden, aber billigen High Fructose Corn Sirup, der sich in fast jedem Fertigprodukt findet, zunehmend auch in Europa. Folgerichtig haben Wissenschaftler vor kurzem einen offenen Brief an den Landwirtschafts- und Ernährungsminister der Vereinigten Staaten geschrieben in dem sie feststellten, dass sich seit der Einführung der Ernährungsrichtlinien, die Cholesterin und Fette verteufeln und auf flüssige pflanzliche Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren und natürlich Zucker setzen, Diabetes verdreifacht hat, und alle Krebserkrankungen sowie die koronaren Herzkrankheiten angestiegen sind.

***

NACHTRAG von der Webseite von Michael Spitzbart:
Sind Statine sicher?

Nein, Statine sind alles andere als sicher. Sie sind gefährlich und können sogar viele Krankheiten auslösen. Wie die Harvard Medical School nach einer Langzeitstudie feststellte, verdoppelt sich schon bei geringer aber langfristiger Einnahme das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Statine rauben nach 10 – 12 Monaten der Einnahme sämtliche Bestände des Coenzyms Q 10. Q10 in ausreichender Dosierung würde dagegen das Immunsystem aktivieren, es stärkt das Herz-Kreislaufsystem, optimiert die Nervenfunktion und steigert sogar die Fettverbrennung. Sprich das Coenzym Q10 erledigt all das, wofür Statine eigentlich eingenommen werden.

Der texanische Kardiologe Prof. Dr. Peter Engström warnt darüber hinaus explizit vor der sogenannten Statin-Cardiomyopathie. Alle Muskeln werden durch die Einnahme der Statine geschwächt– auch der Herzmuskel. Muskelschmerzen (30 %), Muskelschwäche (15 %), und muskuläre Zersetzung (13 %) sind nachdem die häufigsten Nebenwirkungen, die auf dem Beipackzettel der Blutfettsenker aufgeführt werden. In schweren Fällen kann der Muskelabbau durch die anfallenden Abbauprodukte (Myoglobin) sogar zum akuten Nierenversagen führen. Rhabdomyolyse nennt man das im Fachjargon, und Wikipedia listet unter „erworbene Ursachen“ für das Nierenversagen noch vor Drogenexzessen die Einnahme von Statinen.“

Quelle: http://bit.ly/micmichael-spitzbart-zu-Statinen

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