Mein Evangelium: Das Gleichnis vom Sämann

Jeden Sonntag wird in den katholischen Kirchen jeweils ein Auszug aus den Evangelien gelesen und sodann vom Priester interpretiert. Der kardinal von Wien macht das in einer großen Tageszeitung …. und meist kommt mir dabei der Gedanke, nein, so ist das doch nicht, das kann man doch auch ganz anders sehen. Hier ist meine Sichtweise.

Matthäus 13, 1-9
An jenem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See. Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu ihm, so daß er in das Schiff stieg und sich setzte; und alles Volk stand am Ufer. Und er redete zu ihnen vieles in Gleichnissen und sprach: Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und als er säte, fiel etliches an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte; und es ging sogleich auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Anderes aber fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen auf und erstickten es. Anderes aber fiel auf das gute Erdreich und brachte Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig und etliches dreißigfältig. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Da traten die Jünger herzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen mit ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu verstehen; jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat. Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

Stellen wir uns Jesus als Zen-Meister vor, als jemanden, der in der Denkweise der in sich Gekehrten, der Meditierenden geschult ist. Was hätte er dann damit sagen wollen?

Ein Zen-Meister sagte mir vor vielen Jahren auf meine Frage warum er sich das antue Jahr für Jahr junge Leute zu schulen, die ihm die Firmen vor Arbeitsantritt für drei Tage in den Tempel schicken, die nicht freiwillig kommen, die sich zwangsberieseln lassen müssen: Wenn ich einen davon ändern, dann ändert derjenige seine unmittelbare Umgebung, und diejenigen wiederum andere und schlußendlich wird so die gesamte Gesellschaft ein kleines bisschen zum Positiveren geändert.

So ist es mit dem Gleichnis von den Weizenkörnern, das übrigens schon vor Jesus in den Schriften verwendet wurde. Diejenigen, die nur zuhören und nichts verstehen, für die ist eine Botschaft verloren. Auch für diejenigen, die nur dagegen reden wollen. Es ist sinnlos seine „Körner“ bei ihnen auszustreuen. „Euch aber ist es gegeben“, sagt er zu seinem engeren Kreis. Euch, denen, die schon eine tiefere Erfahrung gemacht haben, deren Ohren geöffnet sind, öffnet sich die Botschaft immer mehr, denn die die schon „haben“ werden immer noch mehr bekommen.

Worauf es also ankommt ist nicht, sich mit Lehren zu beschäftigen, Philosophien hin und her zu wälzen, sondern offen zu werden für eine Erfahrung die „Geheimnisse des Himmelreiches“ zu verstehen. Die Menschen wollten Jesus hören, weil sich sein Ruf als Wunderrabbi herumgesprochen hat, aber es ist ohne inneres Verstehen ohne Sinn – und genau das sagt er den Leuten, in einem Gleichnis, von dem er wußte, das sie es ohnedies nicht verstehen würden.

(Sonntag 12. Juli 2020)

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