Himmel und Erde werden vergeh’n

Wer mich kennt weiß, dass ich ein Faible für gescheite Frauen habe. Und kürzlich ist mir wieder eine untergekommen, die Astrophysikerin Astrid Veronig von der Universität Graz.

Sie schrieb in der Presse zum Thema „Warum leuchtet die Sonne?“ Das hat mich grundsätzlich interessiert, aber beim Lesen habe ich dann noch einen ganz anderen Aspekt entdeckt, den sie gar nicht berührt hat.



Warum die Sonne leuchtet ist uns ja allen sowieso klar: weil sie sehr heiß ist und strahlt. Aber wie es dazu kam, ist nicht so klar. Also: „Sterne entstehen aus interstellaren Staub- und Gaswolken, die unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren. Dabei entstehen viele kleine Wolken, die ebenso unter dem Einfluss ihrer Gravitation in sich zusammenfallen. Die Dichte nimmt schliesslich so weit zu, dass Kernfusion einsetzt“. In dieser enormen Dichte und Hitze verabschieden sich die Elektronen von ihren Protonen, und diese nunmehr „nackten“ Kerne stossen einander zunächst ab, werden aber schlussendlich zusammengedrückt und bilden einen Heliumkern. Und jetzt wird’s noch einmal spannender: der neu entstandene Heliumkern ist leichter als die vier Protonen, die ihn bilden und die überschüssige Energie geht ins All hinaus. Das dauert aber, denn bis die Strahlung vom inneren Kern der Sonne an die Oberfläche kommt und uns sodann wärmen kann, vergehen hunderttausende Jahre.

Erstaunlich, nicht wahr? Und was passiert wenn alles Material, das da „brennt“ verbraucht ist und die eigene Gravitationskraft das Ganze nicht mehr zusammenhalten kann? Dann gibt’s vermutlich eine Explosion oder eine Zerbröselung und übrig bleiben salopp gesagt, die interstellaren Staub- und Gaswolken vom Anfang. Was das für die Erde bedeutet, ist klar: Ofen aus. Und mit viel Glück kann das Ganze von vorne beginnen: neue Sonnen, neue Planeten und vielleicht eine neue Erde. Aber noch ist Zeit: die Wissenschaftler geben unserer Sonne noch locker weitere fünf Milliarden Jahre.

Was war es, was mich an dieser Schilderung so besonders fasziniert hat? Es ist das Weltbild, das so ganz anders ist als jenes in dem ich aufgewachsen bin. Da war zwar von einem Beginn die Rede, aber nicht von einem Ablaufdatum. Ganz anders hingegen die Weltsicht des alten Indien, die in verblüffender Weise mit der Astrophysik korreliert.

In den indischen Puranas, die ab dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung aufgezeichnet wurden, aber auf viel ältere Erzählungen zurückgehen, werden andere, rhythmische Weltenläufe geschildert. Sie reden von sehr langen Zeitläufen, von Kalpas, die jeweils mehr als 4 Millionen Jahre dauern und von Yugas, die mehrere Kalpas dauern. In einer komplizierten Berechnung kommen sie auf 40 Milliarden Jahre, nach der die Welt untergeht und sich in Urmaterie auflöst, aus der dann ein neuer Weltenzyklus entstehen kann.

Ist das nicht wirklich erstaunlich? Uralte Überlieferungen aus Indien sagen voraus, was die moderne Astrophysik nach und nach erforscht und zu prognostizieren wagt? Und sollten diese Erkenntnisse – die alte und die neue – nicht unsere Sicht auf die Welt, auf unser Dasein, auf unser Leben, das so großartig und doch so lächerlich winzig ist, komplett auf den Kopf stellen?

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