Wir sind alle verbunden – und wie!

(Bild: Das ist der Laniakea Supernovagalaxien-Haufen, der erstmals erst 2014 beschrieben wurde. Laniakea bedeutet „unermeßlicher Himmel“ auf Hawaianisch, wo er zuerst mittel des Hubble-Teleskops entdeckt wurde. Dort wo der rote Punkt ist, ist unsere Galaxie, also nicht bloß unser Sonnensystem, sondern die ganze Galaxie. Laniakea stellt auch nicht das gesamte Universum dar, sondern ist selbst Teil von anderen Supernova-Galaxien.)

Stell‘ dir vor, du bist nicht als Einzelwesen auf der Welt, das mit anderen Einzelwesen bloß durch Augen, Ohren, Riechen, Berühren, Schmecken verbunden ist, also mit den Sinnesorganen, sondern auch noch auf ganz andere Weise – „spukhaft“ wie es Einstein in anderem Zusammenhang genannt hat. Dort wo diese fünf sinnlichen Erkenntniswege keine Rolle mehr spielen, sondern Erkenntnis auf andere Wiese möglich wird, sprechen die buddhistisch-mahayanistischen Texte von etwas, das sich bislang der exakten naturwissenschaftlichen Erklärung entzieht. Und stell‘ dir vor, dass das was du tust und bewirkst die Bedingungen schafft für dein näheres Umfeld hier und jetzt und darüber hinaus für Generationen nach dir nachdem du schon lange nicht mehr auf dieser Welt bist. Ein seltsamer Gedanke? Aber die neuesten Erkenntnisse der gescheitesten Naturwissenschaflter des Planeten scheinen genau das – und damit unsere Verantwortung für uns selbst und alle anderen zu beweisen.

Wir können uns das rational nicht gut erklären, aber im Alltag haben schon viele Menschen die Erfahrung gemacht, dass sie zum Beispiel das Gleiche gedacht haben wie ihr Partner, oder dass sie bei einem Unfall, der diesem weit entfernt zugestossen ist plötzlich aufgeschreckt sind, oder dass dein Haustier, Hund oder Katze, ganz genau zu wissen scheint wann du nachhause kommst. Rational ist das nicht gut erklärlich, „spukhaft“ eben – anscheinend besteht auch zu unseren Lebzeiten eine geheimnisvolle Verbindung von „Bewußtsein-en“, nicht erst durch unser Wirken auf usere Umwelt und unsere Nachwelt.

Vor Jahrzehnten schon hat der Biologe Rupert Sheldrake dazu die Hypothese der morphischen Felder aufgestellt, einen Erklärungsversuch dieser Phänomene, die er auch mit zahlreichen Experimenten nachzuweisen versuchte. Wie sehr Erkenntnisse dieser Art in unser Weltbild einfließen blieb aber allgemein im Versuch stecken. Für mich persönlich war jedoch die Analogie zum buddhistisch-mahayanistischen Denken stets offenkundig. Man nennt das dort Alayavijnana, einen nicht näher definierbaren „Ort“, der das alles enthält was uns ausmacht und was wir bewirken und alles was vor uns bewirkt wurde und nach uns bewirkt werden wird. Und wir alle sind mit diesem „Ort“ verbunden ohne dass uns das bewußt wird, aber manchmal haben manche Menschen sogar bewußten Zugang zu diesem Bereich.

Und es gibt dazu noch einen anderen Begriff, den des Anatman, der ausrückt, dass wir keine Wesen sind, die wie aus einem Fabrikslaufband fertig in diese Welt gestellt wurden, sondern dass sich unser Selbst andauernd anpasst und ändert, nicht beständig ist. Das ist uraltes Menschheitswissen, und doch so schwer in unsere Hirne zu bekommen, scheint es doch eine rein esoterische, spirituelle Spekulation zu sein, die man glauben kann oder eben nicht. Dabei sind diese Erkenntnissse aus dem indischen Raum im Zuge der Eroberungszüge des Alexander auch in Teile der griechischen Philosophie unter der Bezeichnung Adiaphora sozusagen eingewandert (Pyrrhonismus), verblieben dort einige Zeit und wurden dann vergessen, bzw von der rationalen Philosophie der dualistischen Weltanschauung überlagert, die sich über die christlichen Philosophen des Altertums und Mittelalters bis in unsere Zeit zog und unser heutiges Denken geprägt hat und es uns so schwer macht davon los zu kommen.

 Nun bin ich aber auf einen Aufsatz von Wolfram Strupp gestossen, und zwar in der Zeitschrift Ursache | Wirkung. Strupp ist Psychiater und beschäftigt sich mit buddhistischer Philosophie und Neurowissenschaften. Und er führt einige neuerer Naturwissenschaflter an, die noch wesentlich weiter als Sheldrake gehen – und erstaunlicherweise noch tiefer in buddhistisch-mahayanistische Denk- und Erfahrungsmodelle führen, ob ihnen das nun bewußt ist oder nicht. Das hat mich angeregt auf eine Reise durchs Internet zu gehen und den Erkenntnissen dieser Menschen nachzuspüren. Im Folgenden werde ich versuchen die Stationen meiner Reise durch das Internet aufzuzeigen, die aber – zugegeben – nicht leicht sein wird. Ich lade Sie, lieber Leser, liebe Leserin, ein, mir auf diese Reise zu folgen. Ich habe deshalb die Links zu den Vorträgen auf Youtube, zu den wissenschaftlichen Papers und zu den TED Talks angemerkt. Gute Reise!

Über den netzartigen Aufbau des Gehirns und die Genese von Bewußtsein arbeitete Giulio Tononi, Psychiater und Bewußtseinforscher. Seine These: Unser Gehirn muß erst ein komplexes Netz aufbauen, damit es so etwas wie ein Bewußtsein erzeugen kann, das uns ein „Ich“ oder ein „Selbst“ suggeriert.

Dieses Bewußtseins-Netz generiert ein materielles „Ding“ und ist nicht bloß ein Prozess. Das heisst, Bewußtsein ist kein rein geistiger Vorgang, sondern beinahe so etwas wie ein Organ wie es auch unsere anderen Organe sind. Das ist zumindest die – nicht unumstrittene – These von Susan Pockett.

Auch Rolf Landauer argumentiert in ähnlicher Weise: Information – und damit Bewußtsein – benötigt eine materielle Basis. Ohne diese materielle Basis kann es zwar „etwas“ geben, aber das kann sich – noch – nicht als Bewußtsein manifestieren.

Die materielle Basis des Bewußtseins ändert sich aber mit dem elekromagnetischen Feld, das es umgibt. Das zeigen die Arbeiten von Johnjon McFadden. Daraus könnte man folgern, dass wir, d.h. das was „wir“ für das „wir“ halten, sehr wesentlich von äußeren Faktoren, und seien sie kosmischer Natur, abhängig ist.

Die Basis des Lebens ist eine uns allen gemeinsame. Das, was uns ausmacht ist, aus quantenphysikalischer Sicht und die ist die Grundlage von allem was ist, die seltsame „spukhafte“ Quantenverschränkung: dass nämlich ein Teilchen – und das ist, wohlgemerkt die Grundlage allen Seins – zeitgleich an zwei verschiedenen Orten sein kann. Jim Al Khalili stellt das sehr einprägsam und bilderreich dar.

Wir sind also durch Quanten verbunden, die sich jederzeit jetzt und in Zukunft und an mehren Orten zeigen können und in weiterer Folge als deren „Produkte“, als Atome und Moleküle. Tom Chi führt uns das drastisch vor Augen an den Beipielen von Herz, Atem und Bewußtsein.

Unser Herz benötigt um zu Schlagen Hämoglobin, in dessen Mitte ein Eisenatom sitzt. Ohne dieses Eisen gäbe es kein Hämoglobin und kein Leben. Aber dieses Eisenatom gab es vor drei Milliarden Jahren noch nicht. Es konnte sich erst bilden nachdem sich der Sternenstaubnebel namens Laniakea, erst 2014 erstmals beschrieben und bedeutet auf Hawaianisch unermesslicher Himmel, sich zu 100.000enden Supernovae und Galaxien verdichtete, in denen die unsrige ein kleiner Punkt ist und wir ein noch kleineres Pünktchen drin (siehe Bild). Und dann bildete sich – vereinfacht durch Verdichtung und Explosionen – unter anderen das Eisenatom, also gewissermassen unser aller gemeinsamer Ursprung und unser aller Grundlage des Lebens.

Ähnlich verhält es sich mit unserem Atem. Vor 2,5 Milliarden Jahren wäre Atmen nicht möglich gewesen, denn es gab keinen Sauerstoff. Es gab einzellige Lebewesen, die ohne Sauerstoff auskamen. Aber irgendwann bewirkte ein Photon von der Sonne eine Änderung, sodass eines dieser Lebewesen CO2 in O2 verwandeln konnte, und ganz langsam reicherte sich erst der Erdboden, dann das Meer und erst viel später die Luft mit so viel O2 an, dass es Einzellern möglich wurde – zuerst im Wasser, dann an Land –, sich zu Mehrzellern zu entwickeln und damit die Basis für uns mehrzellige Wesen zu bilden. Die Einzeller sind aber nicht verschwunden. Sie leben als Chloroplasten in jedem Pflanzenblatt bis heute weiter und wandeln dort das CO2, das wir Mehrzeller ausstossen in O2 um. Sie sind damit die andere Seite unseres Atems, sie spiegeln uns und wir spiegeln sie. Das ist unsere unauflösliche Verbindung.

Auf der geistigen Ebene ist es, je mehr wir uns unserem heutigen Dasein nähern, ähnlich. So wie sich der Einzeller von 2,5 Milliarden Jahren, wenn wir uns das kurz einmal vorstellen wollen, nicht im Entferntesten „ausdenken“ konnte, welcher Puzzlestein seine Existenz dereinst für die unsrige 2,5 Milliarden später sein könnte, so ist es hier und heute in unserem Leben auch. Vor 5000 Jahren konnte niemand ein Klavier ersinnen oder sich vorstellen. Dafür brauchte es eine Entwicklung über Saitenkunde, Resonanzkörperkunde und so weiter, und das von Generation zu Generation. Und in uns Menschen selbst braucht es die Fähigkeit unsere zehn Finger zum Klavierspiel zu koordinieren und die Pedale ebenso. Das sind Entwicklungen, die uns mit den Generationen vor uns untrennbar verbinden. Und – so viel sollte jetzt auch klar sein – uns mit den unendlichen Generationen nach uns, deren Existenz uns nicht vorstellbar ist.

Wir sind, wenn wir das weiter denken, nicht nur durch unsere Genese verbunden, sondern gleichsam auch durch das „Material“ aus dem wir bestehen, aus dem materiellen so wie aus dem immateriellen. Das ist es, was der buddhistisch-mahayanistische Begriff Alayavijnana meint, und nicht, dass wir nicht als Person existieren würden wie es bisweilen mißverstanden wird und bei manchen Menschen zu existentiellen Krisen führen kann. Der große indische Philospoh Nagarjuna drückte es im ersten oder zweiten Jahrhundert so aus: alle Phänomene – auch wir – sind beständig sich ändernden Bedingungen unterworfen und ändern unsererseits diese Bedingungen damit auch selbst beständig. Es gibt demgemäß, zu Ende gedacht, keine fixe Substanz, sondern im Grunde sind alle Erscheinungsformen „leer“. Im buddhistisch-mahayanistischen Diamantsutra wird dieses Freisein von unveränderlichen Eigenschaften und Merkmalen Sunyata, „Leere“, genannt.

Und wer genau zuhört, wird aus diesem 2000 Jahre alten Text genau das heraushören, dem sich die hervorragensten Wissenschaftler unserer Zeit jetzt annähern.

Dass wir alle verbunden sind, hat eine Reihe von Wissenschaftlern so beflügelt, dass sie das auch singen, und zwar in der „Symphonie of Science

Viel Spass beim Lesen und Zuhören!

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