Haben wir das schon kapiert?

Unser Weltbild ist, wenn wir ehrlich sind, immer noch geprägt von der Zeit der Religionsgründer, in deren Lehren wir hineingeboren sind, in unser Schulwissen und die philosophischen Grundlagen, die ihrerseits das Schulwissen der Schulbuchautoren und Lehrplanverfasser spiegeln und ein wenig von dem was wir der Informationsflut der Medien entnehmen, und zwar nur das was durch obige Filter durchpasst. Wir lesen und sehen aber so viel Neues und Revolutionäres, das wir zwar wahrnehmen, das aber unser Weltbild nicht zu ändern scheint.

Ich möchte zwei Beispiele aufzeigen. Das James Webb Teleskop, das weit draussen im Weltall schwebt, liefert Bilder, die uns eigentlich umhauen müßten. Dort wo das bisher beste Teleskop, das Hubble Teleskop, schwarzes Weltall zeigte, in dem es vereinzelt Galaxien und Sonnen gibt, zeigt James Webb nun ein Weltall, das voll von Galaxien und Sonnensystemen ist, in unvorstellbarer Menge – so als ob wir nicht in das All schauen würden sondern in ein impressionistisches Gemälde voll von Farbpunkten. In diesen Milliarden von Galaxien sind Milliarden von Sonnensystemen mit jeweils vielen, vielen Planeten, die um ihre Sonne kreisen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß es welche gibt, die Temperaturen und Atome haben, die sich zu Molekülen fügen, die Leben ermöglichen? Vernünftigerweise: hoch. Ändert das unser Denken, unsere Auffassung von unserer Einmaligkeit, von unserer Idee wir seien die Krönung der Schöpfung, von unseren Ideen von Himmel und Hölle, von den Ideen, dass es nach dem Tod irgendwie weitergehen muss und wir unsere Angehörigen wieder treffen, wie wir es bei jedem Begräbnis tröstlicherweise vorgetragen hören? Nein.

Beispiel zwei: Science Fiction Autoren stellen sich Lebewesen von Planeten anderer Sonnensystem regelmäßig als uns überlegene Wesen mit weit fortgeschrittener Technologie vor, Aliens eben, uns in der Regel feindlich gesinnt. Aber Leben gibt es auch in ganz anderen Formen, und da rede ich nicht von Viren und Bakterien, von Amöben und Einzellern, sondern beispielsweise von Demodex. Kennen Sie Demodex? Wahrscheinlich nicht, denn sie sind nur 290 Mikrometer groß und sie leben in unseren Talgdrüsen. Ja, wirklich! Babies haben sie noch nicht, aber im Laufe des Lebens werden sie mehr, über 70-Jährige haben sie dann zu 100 Prozent. Nett, nicht wahr? Unglaublich, was die Evolution für seltsame Wesen hervorgebracht hat. Was, wenn sie auf anderen Planeten die vorherrschende Lebensform wären, weitaus größer, etwa so groß wie wir? Durchaus möglich, oder? Sie wären dann dort die „Krone der Schöpfung“. Ob wir, falls es sie oder ähnliche Gebilde wirklich gibt, jemals sehen oder treffen werden, ist eine ganz andere Frage. Das, was uns das James Webb Teleskop zeigt, sind nämlich Lichtübertragungen ferner Systeme, deren Licht, bis wir es im Teleskop sehen können Milliarden Jahre unterwegs war. Mögliche Lebewesen, wie auch immer sie sein mögen, samt ihren Heimatplaneten könnten also schon längst untergegangen sein. Und die Frage ist: Ihre „Seelen“ auch?

(Bild: Konferenz Elementarteilchenphysik und ihre ontologische Relevanz Universität Wien, Mai 2022. Am Podium: Hisaki HASHI, Leopold SPINDELBERGER, Georg GESEK, Herbert PIETSCHMANN, Kevin PURKHAUSER, Walter KARBAN)

Es kann aber auch alles ganz anders sein. Die Quantenphysik zeigt uns mehr und mehr, dass der aristotelische Satz „da wo ein Ding ist, kann kein anderes sein“ einfach nicht stimmt. Die Quanten können an zwei Orten gleichzeitig sein, das ist schon vielfach bewiesen. Und Entfernung spielt dabei keine Rolle und Zeit erst Recht nicht, denn die entsteht nur aufgrund der Entfernung. Das ist für Nicht-Quantenphysiker kaum vorstellbar, und vielleicht habe ich das alles auch falsch verstanden. Was, aber, wenn nicht? Dann könnten Vorgänge und Wissen des gesamten Universums überall in den „unvorstellbaren Weiten, die noch nie ein Mensch gesehen hat“ alle gleichzeitig da sein, und auch beständig, mit der Ausdehnung des Universums und der steten Erkältung stetig wachsend. Dann wäre das die wahre Evolution? Dann wäre das das was die alten Weisen Indiens Alayavijnana, den universellen Wissensspeicher, genannt haben?

Belassen wir’s dabei, bevor unser Hirn allzu viele Kapriolen schlägt.

1 Kommentar

  1. Langsam erwerben wir das Wissen von der Illusion der Endgültigkeit von Erkenntnissen. Aber bereits Kant urteilte: Wo andere Ebenen sehen, sehe ich Berge auferstehen. Es gibt eben verschiedene Ebenen der Erkenntnis: der Verstandeswelt und der Sinnenwelt. Selbst die von der Sinnenwelt wahrgenommene zwingende Kausalität kann von der Freiheit der Verstandeswelt ausgehebelt werden. Es können beide Welten miteinander verbunden werden. Es gibt eben keine Grenzen des Vorstellbaren. Es besteht nur die Notwendigkeit des Loslösens des Menschen von menschengemachten und menschenerdachten Umgebungen. Und auch die Notwendigkeit eines Lösens von der Vorstellung einer göttlichen Schöpfung. Wobei auch dies natürlich vorstellbar bleibt.

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